1. Einleitung

Der 1. Leipziger Herbstsalon fand vom 15. November bis 7. Dezember 1984 im damals zur DDR gehörenden Leipzig statt. Die Ausstellung wurde privat von den 6 Malern Lutz Dammbeck, Hans-Hendrik Grimmling, Günter Firit, Frieder Heinze, Günter Huniat und Olaf Wegewitz durchgeführt. Die von den DDR Funktionären als „konterevolutionär“ bezeichnete Ausstellung war insofern besonders, Thema der Ausstellung die Abstrakte Kunst, insbesondere das Informel , war. Die Versuche der DDR Staatsregierung die Ausstellung juristisch zu verhindern scheiterten. Eine Räumung mithilfe der Volkspolizei wurde aufgrund der Angst eines Imageverlustes der DDR im westlichen Ausland nicht vorgenommen. Der Name Leitet sich vom „Ersten Deutschen Herbstsalon“ in Berlin ab, der wiederum auf dem Pariser „Salon d’Automne“ basiert.

2. Die Vorbereitungen zur Ausstellung

Die Ausgangssituation in der DDR eine Ausstellung zu organisieren, die nicht den von der SED propagierten Kunststil des Sozialistischen Realismus zum Thema hatte, war denkbar schlecht. Da das Mieten einer Ausstellungsfläche nur im Auftrag des Verbandes Bildender Künstler (VBK) möglich war, wurden die Ausstellungen meist im Vorfeld verhindert. War jedoch diese Hürde genommen, so wurden meist juristische Gründe zur Verhinderung der Ausstellung hervorgebracht. Bereits 1981 und 1982 wurden jeweils eine Gemeinschaftsausstellung von Wegewitz und Grimmling in Halle und in Merseburg verhindert. In Merseburg hieß es die Veranstaltung würde Pornographie verbreiten. Auch andere Kunstprojekte wie das Ende der 1970er Jahren geplante Tangenten-Projekt, welches Bildende Kunst, Film, Musik, Theater und Literatur beinhalten sollte, wurde trotz schon genehmigter Geldmittel der Stadt Leipzig, letztendlich von SED-Funktionären verhindert. Um zu verhindern, dass ihr Kunstprojekt abermals verhindert wird beschlossen die Künstler diesmal auf eine Anmeldung bem VBK zu verzichten. Sie mieteten die 627 qm große Etage, in einer Halle am Leipziger Markt, in Eigenregie. Um den Mietvertrag abschließen zu können behaupteten sie fälschlicherweise im Auftrag des VBK zu handeln. Eine spätere Anklage hieß deshalb: „Missbrauch des Verbandsnames“. Die Miete, für die vierwöchige Nutzung der Halle in Höhe von 12.000 DDR-Mark, zahlten die Künstler aus eigener Tasche. 12.000 Mark war in der DDR zu diesem Zeitpunkt eine beachtliche Summe, ein Scheitern der Ausstellung hätte den finanziellen Ruin bedeutet. Beim Aufbau der Exponate begegneten den Künstlern weitere Hürden, so durften sie beispielsweise keine Nägel in die Wände schlagen, was das Auhängen der Bilder unweigerlich erschwerte. Sie ließen sich davon jedoch nicht abhalten und fanden kreative Methoden, wie das Aufhängen der Gemälde an einer Wäscheleine, um ihre Werke zu präsentieren. Als die Vorbereitugnen abgeschlossen waren wurden Einladungskarten an Bekannte und Verwandte versandt. Dadurch wurden aber auch die DDR-Funktionäre auf die Pläne aufmerksam. Folglich wurde der Staatsapparat in die Gänge gesetzt um die Ausstellung zu verhindern, der operative Vorgang „Salon“ wurde ins Leben gerufen. Die einfachste Methode schien es den Mietvertrag für ungültig erklären zu lassen. Die Künstler beauftragten jedoch einen Rechtsanwalt, der dies verhindern konnte. Weiterhin gab es Pläne die Ausstellung mithilfe der Volkspolizei zu verhindern. Im Rückblick auf die katastrophalen Folgen auf das Image der DDR infolge der Bierman Ausbürgerung 1976, entschied man sich jedoch gegen eine gewaltsame Räumung der Ausstellung. So konnte die Ausstellung, jedoch mit Auflagen, stattfinden. Die Auflagen beinhalteten, dass jeder der Künstler nur 5 Besucher am Tag empfangen durfte, außerdem waren keine, insbesondere keine westliche Journalisten erlaubt.   

3. Die Ausstellung

Da die Versuche des Staatsapparats das Künstlerprojekt zu verhindern scheiterten konnte Ausstellung vom 15. November bis zum 7. Dezember unter den oben genannten Auflagen stattfinden. Da gleichzeitig auch die Internationale Dokumentarfilmwoche in Leipzig stattfand befanden sich zu diesem Zeitpunkt viele westliche Journalisten in der Stadt. Durch Mundpropaganda wurde die Nachricht, dass in Leipzig eine Kunstausstellung, mit in der DDR nie dagewesener Kunst stattfindet, schnell verbreitet. Einer der Gäste schrieb in das Gästebuch: „Danke. Ich werd’s in Berlin weitersagen“. Die Auflage, dass nur fünf Personen pro Künstler die Ausstellung am Tag besuchen dürfen, war somit unhaltbar. Somit fanden auch westliche Journalisten ihren Weg in die Ausstellung. Der Kunstwissenschaftler Christoph Tannert erinnert sich: „Es war ein Klang im Raum, der verunsichernd war. Durch die Größe von Grimmlings Bildern, durch das Gewusel der abstrakten, minimierten, floskelhaften Zeichenwelt, die bei Heinze und Wegewitz mit den Kürzeln auftauchte, auch bei dem Abstraktionsgrad Firit. Was später als Gefühlsstau beschrieben wurde, schien dort schon wie durch die Löcher im Käse zu pfeifen. Die Leute waren konsterniert, weil sie diese Art von Kunst bisher nicht gesehen hatten und sich wunderten, daß es so ewas in der DDR gab und in einem Messehaus gezeigt wurde.“ Die Ausstellung wurde sowohl ein Publikums-, als auch ein finanzieller Erfolg. Mit dem Verkauf von Katalogen, Fotos und Postkarten an die fast 10.000 Besucher konnte neben der Deckung Mietkosten auch ein kleiner Gewinn eingefahren werden. Später versteigerten die Künstler einige ihrer ausgestellten Bilder in einer leipziger Kneipe. Trotz des großen Erfolgs gab es nie, wie ursprünglich geplant, einen 2. Leipziger Herbstsalon.

4. Die Künstler nach dem Salon

Die Künstler gingen nach dem Herbstsalon sowohl privat als auch künstlerisch getrennte Wege. Hans-Hendrik Grimmling, Lutz Dammbeck und Günter Firit emigrietern 1986 in die BRD bzw. nach Westberlin. Frieder Heinze, Günther Huniat und Olaf Wegewitz blieben in der DDR.

5. Zitate mit Bezug zum Leipziger Herbstsalon

 

„Die Zugluft des Salons ist aufregend wie ein Wind vom Weltmeer“

„Es ist leider nur ein Tropfen in der Wüste, aber vielleicht kann eine Oase daraus werden“

„Danke. Ich werd’s in Berlin weitersagen.“

 Einträge in das Gästebuch

 

„Da eine mögliche Schließung dieser Ausstellung einen größeren politischen Schaden zur Folge gehabt hätte, wurde in  Abstimmung  zwischen dem Zentralkomitte der SED – Abt. Kultur und dem  Zentralvorstand des Verbandes Bildender Künstler  der DDR die  Entscheidung getroffen, daß sie als Werksstattausstellung  durchgeführt wird und im Nachinein durch den Verband Bildender  Künstler /DDR sanktioniert wird“

 Auszug aus dem operativen Vorgang „Salon“, Ministerium für Staatssicherheit (Stasi)

Verfasst von Johannes Walz unter zuhilfenahme folgender

Quellen:

Dr. Gerhard Panzer, Doris Liebermann, Dr. Dorit Litt: Getrennte Welten Formen des Eigensinns, Kunsthalle Jesuitenkirche in der Stadt Aschaffenburg 2014/2015, S. 117 – 124

Doris Liebermann: Ein Piratenstück. Der „1. Leipziger Herbstsalon 1984“, seine Geschichte und Protagonisten. Mitteldeutscher Verlag, Halle 2014/2015