WILLI BAUMEISTER (1889 -1955)

Am 22. Januar 1889 in Stuttgart geboren und dort auch gestorben (31. August 1955), war Willi Baumeister zeit seines Lebens ein Einzelgänger. Dem künstlerischen Geschehen andernorts aufgeschlossen, mag ihn seine schwäbische Natur davon abgehalten haben, sich einer Gruppe, der Brücke oder dem Blauen Reiter, zu verbinden. Zunächst Dekorationsmaler, dann zwischen 1906 und 1912 an der Stuttgarter Akademie bei Hoelzel geschult, tendierte sein mehr auf die Form als auf den Ausdruck gerichteter Sinn eher auf die in Frankreich sich in der Gefolgschaft Cézannes ausbildenden Formen der modernen Malerei. Reisen (1912 und 1914) führten ihn nach Paris, wo er sich mit dem Werk Cézannes auseinandersetzte und aus dem Kontakt vor allem mit Fernand Léger wesentliche Impulse zur Ausbildung seines Stiles empfing. Mit seinen um 1920 entstandenen Mauerbildern, weniger im eigentlichen Wortsinn „Gemälde“ denn aus sandvermengter Farbe architektonisch gebaute, reliefartige Wandgestaltungen, erregte er zum ersten mal weiterreichendes Aufsehen und wurde er in dem Willen, die Malfläche mit Sand oder Holzleisten plastisch zu strukturieren, zu einer Art Ahnherren des Taktilismus der jüngsten Vergangenheit. Die zweite Hälfte der zwanziger Jahre sah die Reihen seiner Sport- und Maschinenbilder entstehen, in denen sein konstruktiver, dem Bildbau verhafteter Sinn sich bewährte. 1936 ging Baumeister zum vollkommen gegenstandslosen Bild über, bei dem sich oft surreale Anklänge einnisten und das, wie etwa die Eidosbilder, in Richtung auf die Urgestalt drängt. Im Krieg regte sich im Künstler das Interesse für die vergangenen Kulturen der menschlichen Frühzeit, für die Höhlenmalereien, vorgeschichtlichen Plastiken, für die Kunst der alten Indianer, die ganze Reihen seiner nach dem Krieg in einer wahrhaft vulkanischen Produktivität heraus geborenen Bilder inspirierten. Große, monumentale Bilder, abstrakt und volltönend wie die ihnen zugesellten Titel (Montaru, Bluxao, Kussaua u. a.), schlossen das Werk ab.

 

Aus dem Buch:

Moderne Malerei: Von Renoir bis Buffet von Bodo Cichy, Juckerverlag: 1970, Seite 168

Deutsche Nationalbibliothek: http://d-nb.info/457614838