UMBERTO BOCCIONI • 1882-1916

Der Name des am 19. Oktober 1882 in Reggio (Calabrien) geborenen Umberto Boccioni ist unlösbar mit einer in ihrer klassischen Form zwar nur kurzlebigen, aber dennoch lange nachwirkenden Erscheinung in der modernen Malerei verbunden: mit dem Futurismus. Zunächst in der Manier der Impressionisten und Neoimpressionisten malend, auf die ihn während seines römischen Aufenthaltes (1898 bis 1902) Gino Severini und Giacomo Balla hingewiesen hatten, mühte er sich seit seiner Begegnung mit dem Dichter F. Tommaso Marinetti (1909), den von diesem für die Literatur manifestierten neuen Zielen in der bildenden Kunst ein Äquivalent zu schaffen. Mit einigen Gleichgesinnten (Carrá, Russolo, Balla und Severini) stellte er sich unter das Gebot der Anliegen, die im 1. Manifest der futuristischen Maler (11. 2.1910) als die der neuen, dem Alten entsagenden und auf das Künftige (eben den Futurismus) gerichteten Kunst öffentlich vorgetragen wurden. In den wenigen Jahren, die ihm bis zu seinem Soldatentod 1916 verblieben, entstanden Werke, in denen das umfassende Wirklichkeitsbild, auf das der Futurismus abzielte, Gestalt gewann. Ohne die sichtbare Welt zu verlassen, wurde in ihnen eine komplexere, vollständigere Wirklichkeit gewonnen als es die allein mit dem Auge erlebbare sein konnte. Insbesondere traten bildnerische Zeichen und suggestive Farbsetzungen in seine Malerei, die das Ereignis der körperlichen Bewegung, den Eindruck der Geschwindigkeit, also den Ablauf der Zeit und selbst akustische Empfindungen In das Bildgeschehen eintreten ließen, sinnenhafte Erfahrungen, die sich bislang der bildhaften Darstellung entzogen.

Aus dem Buch:

Moderne Malerei: Von Renoir bis Buffet von Bodo Cichy, Juckerverlag: 1970, Seite 122

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