PIET MONDRIAN • 1872-1944

Am 7. März 1872 in Amersfort (Holland) geboren, wurde Piet Mondrian schon im jugendlichen Alter, wie er selbst sagte, vom „Dämon der Malerei“ ergriffen. Nachdem Willen des Vaters, eines Volksschullehrers, zunächst auf den Lehrberuf abzielend und diesen auch aus übend, rang er sich gegen die Absichten der Eltern dazu durch, die Sicherheit des Schulamtes gegen die Freiheit des Künstlers und die mit ihr verbundene materielle Unsicherheit einzutauschen. 1892 ging er für drei Jahre auf die Amsterdamer Akademie, besuchte dann für weitere zwei Jahre Fortbildungskurse, kopierte zur Sicherung des Lebensunterhaltes in den Museen die alten Meister des 17. Jahrhunderts für reiche Liebhaber und gewann so das malerische Rüstzeug. Der biedere, handwerksgerechte Akademismus seiner frühen Bilder, vor allem Landschaften, wich nach der Mitte des ersten Jahrzehnts in unserem Jahrhundert Versuchen in pointillistischer Manier, und in dieser Zeit, die Mondrian in eine durch Jahrzehnte dauernde Auseinandersetzung mit der Theosophie eintreten sah, klingen manchmal symbolistische Töne an. 1911 traf Mondrian zum ersten mal mit kubistischen Bildern zusammen und erfuhr, 1912 für drei Jahre nach Paris gegangen, aus dieser Begegnung die wohl entscheidenden Impulse für die Ausbildung eines eigenen, konsequent auf das von allem Gegenstand entleerte konkrete Bild abzielenden Stiles. 1914 bis 1919 wieder in Holland und dort von den seinen eigenen Tendenzen adäquaten Anliegen Theo van Doesburgs (De Stijl) bestärkt, fand er gegen 1920 zu der ihm gemäßen, bis zu seinem Lebensende (1. Februar 1944, New York) durchgehaltenen und immer mehr geläuterten Kunstsprache durch: zu einer Malerei, die bis an die Grenzen der reinen Abstraktion reicht und in der schließlich nur noch die Kombination rechteckiger Flächen von unvermischten Grundfarben (Rot, Blau, Gelb und Weiß, Schwarz und Grau) und das rechtwinkelig geführte Lineament gerader, ungleich starker und waagerecht oder senkrecht verlaufender Linien wortberechtigt sind.

 

Aus dem Buch:

Moderne Malerei: Von Renoir bis Buffet von Bodo Cichy, Juckerverlag: 1970, Seite 116

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