MARIE LAURENCIN • 1885-1956

Die Französin Marie Laurencin ist eine der wenigen Frauen, die sozusagen in der vordersten Front der Moderne kämpften und sich für deren Anliegen nicht nur durch das eigene künstlerische Tun, sondern aktiv auch in anderer Weise einsetzten. Es sei nur an die Zeitschrift 391 erinnert, die sie zusammen mit Pieabia, Gleizes und Gravan in Barcelona gründete als ein Organ, das sich wie ähnliche nach 1917 entstandene literarische oder künstlerische Blätter für die Absichten der modernen Kunst engagierte. Künstlerisch stand die Laurencin, die 1912 mit der Gruppe Section d’Or ausstellte und damit zum ersten Mal die weitere Öffentlichkeit auf sich aufmerksam machte, den Kubisten nah, ohne sich dieser stark vom Intellekt geprägten Richtung ganz zu verpflichten. Sie hat den Kubismus gleichsam nur gestreift, manches von ihm sich angeeignet, im großen und ganzen aber immer einem am Dinghaften orientierten, mehr oder weniger ausgeprägten Realismus angehangen. Er tritt nach 1918, d. h. nach einer kubistisch angehauchten Phase, stärker hervor und zeichnet das Werk der Künstlerin mit einer ansprechenden, vor allem am Frauenbildnis, dem zentralen Thema, sich bewährenden Gefälligkeit aus.

 

Aus dem Buch:

Moderne Malerei: Von Renoir bis Buffet von Bodo Cichy, Juckerverlag: 1970, Seite 108

Deutsche Nationalbibliothek: http://d-nb.info/457614838