JUAN GRIS • 1887-1927

Juan Gris, der eigentlich José Gonzalés hieß und am 23. März 1887 in Madrid geboren wurde, kam erst relativ spät zur Malerei. Sein Studium als Ingenieur, das er nicht vollenden konnte, mag ihn zunächst der Zeichnung zugeführt haben, die in den Jahren nach der Jahrhundertwende und auch noch die erste Zeit nach der Übersiedelung nach Paris (1906) seine eigentliche Domäne blieb. Erst um 1910 wird er eigentlich Maler, nicht zuletzt unter dem Einfluß von Picasso, der gleich ihm im Bateau- Lavoir, einem baufälligen Mietshaus in der Rue Ravignan, Unterkunft gefunden hatte. Im freundschaftlichen Verkehr mit seinem Landsmann und gleichgesinnten Malern fand er rasch seinen Stil: den Kubismus. Von allem Anbeginn an aber ging er nicht auf die analytische Durchdringung und Zerlegung des Gegenständlichen aus, sondern auf die Synthese, das heißt auf das Entstehenlassen von Gegenständen aus der Zusammenordnung von Formelementen auf der Malfläche. „Aus einem Zylinder mache ich eine Flasche“, hat er einmal gesagt, um seinen Gegensatz zu Cézanne zu unterstreichen, der den umgekehrten Weg von der Flasche zum Zylinder ging. Wenn man so will, stand für Gris die Idee am Anfang, und das Bild war ihm nur Mittel, diese zu realisieren, ohne freilich alle Bindung und Berührung mit dem Wirklichen der Außenwelt preiszugeben. Nur daß eben diese Wirklichkeit gleichsam von hinten her aufgerollt und über die Zusammenschau der für sich gleich Buchstaben selbständigen Formpartikel in ihrer Gegenständlichkeit faßbar und als Mandoline, Kopf, Glas oder was dergleichen immer sichtbar wird. Gris, der von allen Kubisten der konsequenteste war und die Möglichkelten dieser Malerei bis an die Grenzen vorangetrieben hat, starb, gerade vierzigjährig, an einer inneren Vergiftung am 11. Mai 1927 in Paris.

 

Aus dem Buch:

Moderne Malerei: Von Renoir bis Buffet von Bodo Cichy, Juckerverlag: 1970, Seite 128

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