JOHN SLOAN • 1871-1951

John Sloan wurde 1871 in Lock Haven in Pennsylvania geboren. Sein erstaunliches Talent zum Zeichnen offenbarte sich schon früh. Sloan startete seine Karriere als Illustrator für zwei Zeitungen in Philadelphia. Er besuchte auch eine Abendklasse bei der Pennsylvania Academy of Fine Art. Als er seine Stelle bei der Zeitung verlor, zog Sloan nach New York. Er hatte schon vorher zu malen angefangen, inspiriert vom Straßen leben in Philadelphia. Nun begeisterte er sich mehr und mehr an New York mit seiner riesigen, zusammengewürfelten Bevölkerung, seinen überfüllten Mietshäusern und Hochbahnen, die einem Künstler viel Anregungen lieferten. Obwohl er seine Tätigkeit als Illustrator fortsetzte, widmete er sich mehr und mehr der Malerei. Er schloß sich mit sieben anderen fortschrittlich gesinnten Künstlern zusammen. Sie malten Szenen aus dem Alltag, die Slums und den Schmutz der Großstadt. Von mißgünstigen Kollegen wurden sie „Apostel der Häßlichkeit“, „die schwarze Bande“ und „Mülltonnen-Schule“ genannt. Obwohl er von den liberalen Kritikern unterstützt wurde, wäre er ohne sein Einkommen als Illustrator verhungert. Er war 42 Jahre alt, als er sein erstes Bild verkaufte. Im selben Jahr (1913) wurde sein Bild Sunday, Girls Drying their Hair in der Armory Show gezeigt. Vier Jahre später war er an der Gründung der Gesellschaft der Unabhängigen Künstler mitbeteiligt. Er bewies auch seine Unabhängigkeit, als er 1 der Sozialistischen Partei beitrat und für deren Zeitschrift Illustrationen lieferte. Dessen ungeachtet fand er eine eifrige und wohlhabende Gönnerin in Gertrude Vanderbilt Whitney, die seine Werke in ihrem Studio ausstellte, aus dem später das Whitney Museum of American Art hervorging. Allmählich stellte sich der Erfolg ein, und in seinem letzten Lebensabschnitt war es ihm vergönnt, sich nahezu ausschließlich seiner Malerei zu widmen. Während seine frühen Zeichnungen vom dekorativen Stil der Art Nouveau beeinflußt waren, übernahm er nun den kräftigen und bewegten Pinselstrich von Goya und Daumier. Er wird oft der amerikanische Hogarth genannt, weil er das Leben in den Bars und Wohnhäusern von Manhattan darstellte, doch malte er auch zahlreiche Studien des weiblichen Aktes sowie Landschaften von Gloucester, Massachusetts und New Mexico.

 

Aus dem Buch:

Moderne Malerei: Von Renoir bis Buffet von Bodo Cichy, Juckerverlag: 1970, Seite 120

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