GAUGUIN • 1848-1903

Als Sohn eines Provinzjournalisten wurde Eugene-Henri-Paul Gauguin am 7. Juni 1848 in Paris geboren. Schon 1851 verließ die Familie politischer Gründe wegen Frankreich und blieb, nachdem der Vater auf der Reise verstorben war, für fünf Jahre in Lima (Peru) bei den spanischperuanischen Verwandten der Mutter. Dieses Erlebnis einer exotischen Welt mag in Paul Gauguin, der mit den Seinen 1856 wieder nach Frankreich zurückgegangen war, ebenso den Grund für seine später so bedeutsame Sehnsucht nach dem exotisch-naturhaften Dasein der Eingeborenen gelegt haben wie die von der Mutter ererbte Natur oder die sechs Jahre, die er nach 1865 als Steuermannsjunge verlebte und die ihn wieder in den südlichen Atlantik brachten. Zunächst freilich bewährte sich Gauguin in völlig kunstfremder Tätigkeit: als Bankangestellter. Er war erfolgreich, kam zu Geld und begann mehr aus Zeitvertreib zu malen und mit Malern, so mit Cézanne und Pissarro zu verkehren. Aus dem Hobby wurde indes mehr und mehr eine verzehrende Leidenshaft. 1883 brach er mit der Behörde, nachdem er zuvor wiederholt schon Bilder auf den Ausstellungen der Impressionisten gezeigt hatte. „Von nun an werde ich jeden Tag malen“, ein prophetisches Wort, denn von nun an arbeitete Gauguin aller materiellen und körperlichen Not zum Trotz bis an sein Ende mit wahrer Besessenheit. Die Bretagne, in deren urwüchsigen Menschen und urwelthafter Landschaft er das zu finden hoffte, was er als die Aufgabe seiner Malerei empfand, das naturhafte, von der Zivilisation nicht unterhöhlte Beisammensein von Mensch und Welt, wurde ihm in den Jahren nach 1884 immer wieder zum Ziel. Nur der ausbleibende finanzielle Erfolg zwang ihn zwischendurch nach Paris und in ein elendes Leben zurück. 1887 Reise nach Panama und Martinique, 1888 wieder in Pont-Aven (Bretagne). Im gleichen Jahr ging, ein schwerer Shock für den Künstler, die 1886 geschlossene, aber bald schon gespannte Freundschaft mit Vincent van Gogh zu Ende. Das Leben Gauguins blieb weiterhin unstet und von Fernweh geplagt. Er verschleuderte Bilder, um nach Tahiti gehen zu können, wo er zwischen 1891 und 1893 unter Eingeborenen lebte und seine wohl schönsten und eindrucksvollsten Werke schuf. Die Naturhaftigkeit der Eingeborenen, ihr unverderbter Verkehr mit der Umwelt, weniger das rein Exotische, zogen ihn an, und die im hellen Licht der tropischen Sonne volltönenden Farben dieser Welt ließen seine Malerei zu jener Kraft und Form durchfinden, mit der sie den Nabis, Fauves und vor allem den deutschen Expressionisten Anregung werden sollte. Was schon in den späteren seiner bretonischen Bilder sich abzeichnete, eine Malerei aus großen, unmodellierten Flächen reiner Farbe in Verbindung mit einer eleganten, formumschreibenden Zeichnung, das fand nun Erfüllung. 1893 trieben ihn Reibereien mit den Behörden, Geldnot und Krankheit nach Frankreich zurück. Aber es hielt ihn nicht. Wieder verkaufte er Bilder und schiffte sich mit dem erlösten Geld nach Tahiti ein, wo er von 1895 bis 1901 lebte und arbeitete, von Krankheit und Verzweiflung verfolgt und 1898 vergeblich bemüht, seinem Leben ein Ende zu setzen. 1901 ging er auf die Marquesas-Inseln (Hiva-Oa). Herzkrank, in dauerndem, verzehrendem Streit mit den Behörden, bei denen er sich erfolglos für die Eingeborenen einsetzte, starb Gauguin am 8. Mai 1903 dort.

 

Aus dem Buch:

Moderne Malerei: Von Renoir bis Buffet von Bodo Cichy, Juckerverlag: 1970, Seite 66

Deutsche Nationalbibliothek: http://d-nb.info/457614838