FERNAND LÉGER • 1881-1955

Der am 4. Februar 1881 in Argentan (Normandie) geborene Fernand Léger machte zunächst eine Lehre in einem Architekturbüro durch (1897) und arbeitete dann in Paris als Architekturzeichner (1900 – 1902). Der Zwang, sich den Lebensunterhalt zu verdienen, hinderte ihn, seiner eigentlichen und früh schon entdeckten Liebe, der Malerei, anders als nebenbei nachzugehen. Wohl versuchte er sich, malte in der Manier der Impressionisten und Neoimpressionisten, nahm Anregungen von Seiten der Fauves auf, stieß dann auf Cézanne und gewann aus dieser Begegnung wesentliche Impulse zu einer Malerei, mit der er um 1910 zum ersten mal hervortrat, sich in die Nähe der Kubisten stellte und sich die Aufmerksamkeit des Kunsthändlers Daniel-Henry Kahnweiler und dessen Unterstützung einhandelte. Durch Zeichnungen aus den Jahren 1906 bis 1908 vorbereitet, gab sich in dem vor allem wichtigen Bild Akte im Wald (1910) kund, worauf Leger hinauswollte: auf die Schaffung einer neuen Wirklichkeit mit den Mitteln der Malerei. Nicht daß er, so wie fast zur gleichen Zeit Kandinsky, den Verkehr mit dem Sichtbaren aufgegeben, das Gegenständliche verbannt und seine Existenz verleugnet hätte. Das Außen blieb ihm, aber es war ihm wichtig nur in seinem objektiven Sein, in seinen von aller Illusion und Zufälligkeit gereinigten Formen und gleichsam als der Lieferant von entpersönlichten Bausteinen zur Architektur des Bildes. Und aus der Vereinigung solcher Naturformen mit frei erfundenen Kunstformen und ihrer Organisation nach dem Gebot von Farbe und strenger, klarer Ordnung der Formelemente gewann Leger schon vor dem ersten Weltkrieg eine Sprache, aus der alles Nebensächliche, Zufällige ausgeschieden und an der nichts ungewollt und unberechnet war. Eine Sprache auch, die seine Bilder zu autonomen Organismen werden ließ, die bei aller Ähnlichkeit mit den kubistischen Bildgebäuden nicht kubistisch sind. Aber was da an Formen auf dem Bildfeld immer versammelt wurde, war keineswegs darauf berechnet, starre Häufung zu sein. So wie die Dinge in der Natur dem Künstler nicht unbeweglich in das Gefängnis ihrer Form eingeschlossene, leblose Organismen, sondern in einem sehr wissenschaftlichen Sinne ständig bewegte, aus kleinsten Bausteinen gebildete lebende Wesen bedeuteten, so auch der Organismus des Bildes. Aus dem Spiel der Formgegensätze suchte Leger seiner Bildwirklichkeit dynamische Beweglichkeit und Räumlichkeit zu geben. Es ist beinahe selbstverständlich, daß er in den Jahren zwischen etwa 1916 und 1920 die Welt der Technik und der Maschinen für sich entdeckte, die Schönheit der klaren Industrieform und der Energie. Aber auch der im Sinne von Cézanne aus Grundelementen, aus Kegel, Kugel und Zylinder aufgebaute Mensch wurde ihm Thema, freilich fern jeder literarischen Schilderung oder Ausdeutung. Auch auf vielen Randgebieten seiner Kunst (Plakat, Teppichwirkerei, Werbereklame usw.) tätig und richtungweisend, starb Leger am 17. August 1955 in Gif-sur-Yvette am Ende eines mit seltener Konsequenz durchgehaltenen Schaffensweges.

 

Aus dem Buch:

Moderne Malerei: Von Renoir bis Buffet von Bodo Cichy, Juckerverlag: 1970, Seite 102

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