EDVARD MUNCH • 1863-1944

Am 12. Dezember 1863 im südnorwegischen Loyten geboren, hat Edvard Munch durch Reisen und mit Hilfe von Stipendien eine vielseitige künstlerische Ausbildung und Begegnung mit der Malerei des späteren 19. Jahrhunderts in Frankreich, Deutschland und Italien erfahren. Ein Aufenthalt in Paris (1887 bis 1892) brachte ihn mit dem Werk von Gauguin, van Gogh und Seurat zusammen. Aber wenn er auch zeitweilig in deren Bann geriet, fand er doch schon in den achtziger Jahren zu einer ganz eigenwilligen, für die nächsten dreißig Schaffensjahre charakteristischen und den deutschen Expressionismus befruchtenden Kunst. Ihr Grundtenor war, die optische Erscheinung in allen ihren dem Bild überantworteten Teilen ins Symbolhafte zu übersetzen und dieses auf die Gefühlsregungen des Menschen zu beziehen. Ihr Thema: summarisch gesagt, die Lebensangst, die Furcht vor dem Tod, das Eingebunden sein in eine bedrückende, beängstigende Welt, der das Heitere, Lichte, die schöne menschliche Freiheitfremd sind. Violett und dunkles Blau, Gefährten der lebensfeindlichen Nacht, beherrschten seine Palette, und das Gegenständliche wurde immer mehr auf eine symbolträchtige, zeichenhafte Form zurückgeführt. Als Munch 1892 in Berlin zum erstenmal offiziell ausstellte, löste er einen derartigen Skandal aus, daß die Ausstellung einen Tag nach ihrer Eröffnung schließen mußte. Zu neu war, was sich da im Bilde darstellte: eine Kunst des Ausdrucks, der psychologischen Einfühlung, — eine Kunst freilich auch, die wenig später schon von den Malern im Umkreis der Dresdener Brücke, von den Expressionisten, als Rechtfertigung und Ansporn ihres eigenen Tuns empfunden werden sollte. 1908 brach Munch psychisch zusammen, gewann aber nach langer Krankheit einen neuen, positiveren Lebensmut, der sich in einem stilistischen Wandel seiner Bilder deutlich Bahn bricht. Die Farben wurden lichter, helles Blau, Rot und leuchtendes Grün bereicherten die Palette, und die psychologische Problematik trat zugunsten einer Steigerung ins Allgemeinmenschliche zurück. Zugleich drängte sich ein Zug ins Monumentale vor, der das Schaffen des Künstlers bis zuletzt beherrschte. Münch starb am 23. Januar 1944 auf Ekely bei Oslo.

 

Aus dem Buch:

Moderne Malerei: Von Renoir bis Buffet von Bodo Cichy, Juckerverlag: 1970, Seite 74

Deutsche Nationalbibliothek: http://d-nb.info/457614838