CLAUDE-OSCAR MONET • 1840-1926

Am 14. November 1840 wurde mit dem Kaufmannssohn Claude Monet in Paris der Künstler geboren, mit dessen Namen und Werk sich der Begriff des Impressionismus mehr noch verbindet als mit den Namen der dieser Mal- und Sehweise neben ihm noch verpflichteten Maler wie Renoir, Manet, Sisley, Pissarro. Er war es, der mit dem Freunde Renoir zusammen den Impressionismus recht eigentlich erfunden und ihn dann ganz im Sinne seines Wortes als „ein Experiment mit Licht und Farbe“ konsequent verwirklicht hat. Der seine Jugend in Le Havre verlebende Claude Monet zeigte frühzeitig schon eine außerordentliche, vor allem in der Zeichnung sich bewährende künstlerische Veranlagung. Mit achtzehn Jahren lernte er den unbedeutenden Maler Boudin kennen, der den Jüngling in seinem Willen zur Malerei bestärkte und ihn in das Studium der Natur einführte. Nach langem Ringen mit dem Vater, der einen Kaufmann aus ihm machen wollte, durfte er 1859 zu einem ersten, kurzbemessenen, aber durch den Verkauf von gezeichneten Karikaturen von Claude selbst verlängerten Studienaufenthalt nach Paris. Corot und Daubigny wurden seine Vorbilder, das plein air mehr und mehr zu seinem Schaffensbezirk. Eine längere Militärdienstzeit in Algerien unterbrach die Entwicklung und Ausbildung, die 1862 im Atelier von Gleyre wieder einsetzte und ihm die Bekanntschaft und Freundschaft der dort arbeitenden Renoir, Bazille und Sisley einbrachte. In den sechziger Jahren wandelte sich Monets Stil im ständigen Verkehr mit der Natur mehr und mehr auf den Impressionismus hin. Die äußere Not, die ihn begleitete, da er mit seinen als revolutionär empfundenen Bildern weder Anerkennung noch Erfolg fand und der Vater ihm seiner Narretei wegen die finanzielle Unterstützung entzog, focht Ihn nur von außen her an und brachte ihn von seinem mit wahrer Besessenheit verfolgten Weg nicht ab. Während des Siebziger Krieges zeitweise im Londoner Exil, ließ er sich zwischen 1872 und 1878 in Argenteuil an der Seine nieder, wo er eine Reihe seiner schönsten Bilder, vor allem Landschaften, schuf und mit den Freunden Manet, Renoir und Sisley arbeitete. Sein Bild Impression, soleil levant, eine Ansicht von Le Havre, das er auf der ersten gemeinschaftlichen Impressionistenausstellung 1874 zeigte und in dem sich alle Wesenszüge der neuen Malweise darstellten, wurde von der mißgünstig eingestellten Kritik besonders aufs Korn genommen und zum Anlaß für den Spottnamen Impressionismus. 1883 bezog der mittlerweile bekanntgewordene, aber keineswegs erfolgreiche Künstler ein Haus in Giverny, das ihm bis zu seinem Tod zu einer immer mehr vereinsamenden Bleibe wurde. In den Jahren um die Jahrhundertwende begann sich sein Stil zum Pastosen zu wandeln, großflächiger zu werden, ohne daß das eigentliche Thema, das Licht, verlorengegangen wäre. Aber zumal in seinen berühmten Seerosenbildern klingen doch schon Aspekte einer Malerei an, die über den Impressionismus hinaus ins Visionäre und Ausdruckshafte weist. Beides Ist indes nie zum Gegenstand des Künstlers geworden, der den Beginn der Moderne noch bewußt miterlebt hat und erst 1926 starb.

 

Aus dem Buch:

Moderne Malerei: Von Renoir bis Buffet von Bodo Cichy, Juckerverlag: 1970, Seite 96

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