ALEXEJ VON JAWLENSKY • 1864-1941

Am 13. März 1864 in Kuslowo (Rußland) geboren, nahm der zur Offizierslaufbahn bestimmte Alexej von Jawlensky 1896 als Hauptmann seinen Abschied und ging gemeinsam mit Marianne von Werefkin nach München, nachdem er bereits 1889 seine Neigung zur Malerei entdeckt und an der Petersburger Akademie Unterricht genommen hatte. Die Bekanntschaft mit Kandinsky, die Mitgliedschaft in der Neuen Künstlervereinigung (1909) und die Begegnung mit den Malerfreunden des Blauen Reiter bekräftigten ihn in seiner Überzeugung, zum Maler geboren zu sein. Allerdings ging er künstlerisch seinen eigenen, nicht mit Kandinsky und den Blauen Reitern, sondern mit den französischen Fauves parallel laufenden Weg. In einer kaum einmal durchbrochenen Motivbeschränkung auf das Stilleben und das Menschenbild (Köpfe) entwickelte er eine Kunst, die aus kräftigen, klaren Formen und ein dringlichen, volltönenden und glühenden Farben lebt und bald schon die eigenartige Wirkung durchsonnter Glasmalerei gewinnt. Das Abbild hafte lag Jawlensky fern, und wie sehr er anfänglich in der Nähe des Sichtbaren blieb und in seinen Bildnissen porträthafte Ähnlichkeit anklang, unter seinen Händen wurde alles in eine stillebenhafte Unwirklichkeit transportiert. Und dieser Aspekt verstärkte sich nach dem ersten Weltkrieg zusehends. Zumal seine Menschenköpfe wurden immer mehr zu Trägern eines seelischen Ausdrucks, nahmen das transzendente Wesen russischer Andachtsbilder (Ikonen) an, getragen von der Innigkeit der künstlerischen Empfindung Jawlenskys. Diese Verinnerlichung eignet auch den spätesten, zu zeichenhafter Einfachheit reduzierten Bildern des Malers, der, seit 1929 unter den zunehmenden Qualen der Arthritis leidend, am 15. März 1941 in Wiesbaden starb.

 

Aus dem Buch:

Moderne Malerei: Von Renoir bis Buffet von Bodo Cichy, Juckerverlag: 1970, Seite 158

Deutsche Nationalbibliothek: http://d-nb.info/457614838