Joseph Matthäus Aigner

Joseph Matthäus Aigner (geb. 18.01.1918 in Wien, ges. 19.02.1886, ebenda) war ein österreichischer Maler.

Er begann seine künstleriche Tätigkeit im Atelier Amerlings und bildete sich dort zu einem vortrefflichen Porträtmaler. 1848 nahm er an der politischen Bewegung in Wien teil, wurde Kommandant der akademischen Legion. Nach der Einnahme der Stadt durch die kaiserlichen Truppen wurde gefangen genommen und am 23.11.1848 zum Tode verurteilt. Er wurde jedoch aufgrund der Fürsprache einflußreicher Freunde begnadigt. Er wandte sich wieder der Kunst und schloss sich Carl Rahl an. Unter seinen Werken sind die interessantesten eine Skizze von Lenau und das Porträt des russischen Generals v. Danidos. Beide hatte im Irrenhaus in Döbling angefertigt, wo sich die beiden Personen in Pflege befanden. Die mit Lenau festgehaltene Szene hat Aigner in der Schrift des Dr. L. Frankl „Zu Lenaus Biographie“ (Wien 1854) eingehend geschildert. Weiter bedeutende Werke waren die Porträts des Kaisers Franz Joseph und der Kaiserin Elisabeth in Lebensgröße, der Dichter Grillparzer und F. Halm, der Hofschauspieler Wilhelmi und Löwe, des Komponisten Rubinstein, der Professoren Oppolzer und Durnreicher, die Familie des Schriftstellers Werthner (9 Personen) hat er auf einem Gruppenbild vereinigt. Eines seiner besten Bilder war sein Selbstporträt. Bei seinen Damenporträts findet man häufig einen schwärmerischen Ausdruck in den Augen. Vom Kaiser Max erhielt er den Auftrag, eine Reihe von Kopien der besten Meistern des Belvedere, für eine in Mexiko geplante Galerie, anzufertigen. In den Jahren 1867 bis 1868 war er damit beschäftigt, für das Künstlerhaus die Porträts der Stifter anzufertigen, welche den großen Saal des Neubaues schmücken sollen. 1877 zeichnete er Ilustraionen über Dornröschen und Otto der Schütz für den Stöfer Verlag, München. Aigners Porträts sind durch charakteristische Auffassung, einen kräftigen breiten Vortrag und ein warme Farbgebung bemerkenswert. Er gehörte zu den meistbeschäftigten Porträtisten Wiens, schrieb Artikel über Kunst für Wiener Zeitungen und war in weiten Kreisen angesehen und beliebt. Um so mehr überraschte sein Tod durch Suizid am 19.2.1886.

 

Auszug aus dem Kunstlexikon von Thieme Becker mit Abänderungen durchgeführt von Johannes Walz.

Quellen von Thieme Becker:

Meyer, Künstlerlexikon
F. v. Bötticher, Malerwerke d. 19. Jahrhunderts
Kunst für Alle 1886, 158 (Nekrolog)