Kunst in Recklinghausen

Kunst und Recklinghausen? Das hört sich zunächst so an, als würden diese beiden Begriffe kausal nicht unbedingt in eine Linie passen. Bei Recklinghausen als festem Bestandteil des Ruhrgebiets und der damit verbundenen Ausrichtung in eine eher von Bergwerken und Stahl dominierten Welt denkt man zu aller Erst an Handwerk und Technik. In Bezug auf die Kunst würde man vielleicht bestenfalls an die Produktion von stählernen oder kupfernen Skulpturen und Plastiken denken. Hinzu kommt, dass im einzigen Hochschul-Campus vor Ort als Standort der Westfälischen Hochschule ausschließlich Studiengänge in technischer, wirtschaftlicher und naturwissenschaftlicher Richtung angeboten werden. Aber, Recklinghausen ist am Ende dann doch viel mehr. In dieser Stadt befindet sich das bedeutendste Ikonen-Museum des westlichen Europas mit rund 3.500 Exponaten aus aller Welt und lebendige Künstlergruppen wie der „junge westen“, die bereits seit einigen Jahrzehnten bestehen, zeugen von einer sehr lebendigen Kunstszene, die von den Kunstvorderen Stadt breite Unterstützung erfahren. Der Kunstverein Recklinghausen und die Kunsthalle präsentieren deren Ergebnisse an prominenten Stellen und loben jährliche Förderpreise aus. Zwei der berühmtesten Söhne der Stadt Recklinghausen, der bekannte Comedian, Schauspieler und Moderator Hape Kerkeling und Heinrich Breloer als Begründer des Film-Genres Doku-Drama, sind landesweit sichtbare Leuchttürme der Kunst- und Kulturszene der Stadt Recklinghausen.

Eine typische Gasse in der Altstadt von Recklinghausen

Museen in Recklinghausen

Kunsthalle Recklinghausen

Die Kunsthalle Recklinghausen wurde 1950 in einem ehemaligen Hochbunker in direkter Nähe zum Hauptbahnhof eröffnet. Es existiert zwar keine Dauerausstellung in der Kunsthalle, jedoch werden in sehr regelmäßigem Turnus Wechselausstellungen sowie ein Mal im Jahr eine Sonderausstellung im Bereich der Bildenden Kunst als Teil der Ruhrfestspiele präsentiert. Diese flankierenden Events zu den Ruhrfestspielen bilden auch das Grundmotiv für die dauerhafte Installation der Kunsthalle als Ausstellungsort. Bei den Wechselausstellungen legt die Leitung der Kunsthalle um Museumsdirektor Hans-Jürgen Schwalm ihr Augenmerk auch auf die Würdigung der regionalen Kunsttalente. Die Preisträger des Kunstpreises „junger westen“ erhalten jedes Jahr aufs Neue bevorzugte Ausstellungsplätze und dürfen sich so der breiten Öffentlichkeit präsentieren. Daneben ist man gerne auf der Suche nach Künstlern von internationalem Rang, die sich in der zeitgenössischen Bildenden Kunst bereits ihre Meriten verdient haben, durch ihre innovative Art der Kunstgestaltung jedoch aus der Menge herausstechen. Hier eine kleine Übersicht über die Wechselausstellungen der letzten Jahre.

Quelle: Wikipedia

Berühmte Kunstwerke in der Kunsthalle

    • Per Kirkeby (1994)
    • Kunst des Westens – Deutsche Kunst 1945 – 1960 (1996, Thematische Ausstellung)
    • Ayse Erkmen (1997)
    • Henry Moore (1999)
    • Tatsuo Miyajima (2008)
    • Saga – Island: Wenn Bilder erzählen (2014, Thematische Ausstellung)

 

Ikonen-Museum Recklinghausen

Das Ikonen-Museum in Recklinghausen ist das bedeutendste Museum dieses Fachbereichs in ganz Westeuropa. Das bezieht sich auf den Umfang der Sammlung, der ansonsten nur von entsprechenden Museen der orthodoxen Welt übertroffen wird. Das Museum wurde nach einer 1955 in der oben genannten Kunsthalle Recklinghausen gezeigten Ausstellung mit dem Titel „Ikonen aus bedeutenden Privatsammlungen und Klöstern“ aus der Taufe gehoben. Die gezeigten Werke erzeugten breites Interesse bei der Bevölkerung und brachten den Kunsthistoriker Franz GroßePerdekamp auf den Plan, diesen Exponaten einen dauerhaften Platz in Recklinghausen zu geben. Das Museum wurde 1956 eröffnet und weist mittlerweile einen Bestand von über 3.500 Ikonen, Stickereien, Miniaturen und Holz- und Metallarbeiten auf. Die meisten Exemplare kommen dabei aus Russland, Griechenland,

Quelle: Wikipedia

Äthiopien und dem Balkan. Zudem lässt sich eine koptische Sammlung ägyptischer Exponate aus dem Zeitraum zwischen dem 1. Jahrhundert und dem frühen Mittelalter bewundern. Bisher waren in den gut sechzig Jahren lediglich zwei Kuratoren in der Verantwortung. Aktuell ist dies seit 1983 Eva Haustein-Bartsch. Hier eine kleine Übersicht über bisherige Wechselausstellungen.  
        

Bekannte Ausstellungsstücke:

    • Bulgarische Ikonen (1985)
    • 1000 Jahre Orthodoxe Kirche in der Rus‘ 988 – 1988 (1988/1989)
    • Russische Ostereier (1996)
    • Griechische Ikonen, Sammlung Emilios Velimezis (1998)
    • Muttergottesikonen (2000/2001)
    • Holzkirchen in den Karpaten, Architekturfotos von Siegfried von Quast (2006)
    • Ein Heiliger für alle Fälle. Leben. Legenden. Ikonen (2013/2014)

Kunsthochschulen im Stadtbereich

Westfälische Hochschule Gelsenkirchen Bocholt Recklinghausen

Quelle: Wikipedia

Die staatliche Westfälische Hochschule, 1992 mit den Standorten Gelsenkirchen, Bocholt und eben Recklinghausen gegründet, ist die einzige Hochschule, die einen Campus-Standort in Recklinghausen hat. Jedoch gibt es dort keinen einzigen Studiengang, den man im weitesten Sinne in der Kunst- oder Kulturecke verorten könnte. Es lassen sich am Campus Recklinghausen unter anderem Bachelor- und Masterabschlüsse in Chemie, International Business Law and Business Management oder der Molekularen Biologie anstreben, aber Malerei, Graphik oder Kunstgeschichte? Leider Fehlanzeige. Der einzige Studiengang, der sich an der Westfälischen Hochschule mit Kunst und Kreativität in Verbindung bringen lässt, ist der Bachelor-Studiengang Journalismus und Public Relations, der im Campus Gelsenkirchen angeboten wird. Dabei besteht für die Studierenden nach einem Bachelor-Studium über sechs Semester die Möglichkeit, weitere vier Semester für einen Master-Abschluss dranzuhängen und zusätzlich eine Promotion anzusteuern. Verantwortlicher Leiter dieses Studienganges im Campus Gelsenkirchen ist die Dekanin Stephanie Walde.

Max-Born-Berufskolleg Recklinghausen

Wer sich in Recklinghausen wirklich beruflich um schulische und berufliche Abschlüsse im Kreativbereich kümmern möchte, ist im Max-Born-Berufskolleg bestens aufgehoben. Neben der Berufsschule sind hier auch Bildungsgänge in Richtung Abitur und Fachabitur möglich. Es stehen an diesem Kolleg zwar ebenfalls die technischen Fachgebiete im Vordergrund, jedoch ist auch der große Block, der sich „Gestaltung“ nennt, im Angebot zu finden. In der auf drei Ausbildungslehrjahre ausgerichteten berufsbegleitenden Berufsschulklasse können sich die Azubis den Abschluss zum Gestaltungstechnischen Assistenten mit den Schwerpunkten Grafik- und Objektdesign (+ bilingual) sowie Medien und Kommunikation sichern. Der Max-BornBerufskolleg selbst war vor rund 140 Jahren als „Gewerblich-Technische Berufsschule“ gegründet worden und orientiert seinen Bildungsauftrag in seiner grundsätzlichen Ausrichtung an den vier wichtigen Säulen der Sozialen Kompetenz, der psychischen Konstitution, dem Arbeitsverhalten sowie der generellen beruflichen Orientierung.

Quelle: Wikipedia

Kunstverein Recklinghausen

Seit seiner Gründung im Jahr 1989 arbeitet der Kunstverein Recklinghausen an der Förderung und Vermittlung des Verständnisses für zeitgenössische Bildende Kunst. Dafür nutzen sie nicht nur ihre Vereins- und Ausstellungsräumlichkeiten im Kutscherhaus, das sich im Willy-Brandt-Park befindet, sondern sind auch im Rahmen von Ausstellungs- und Atelierbesuchen, Kunstreisen und für den Support von Kunst im öffentlichen Raum viel unterwegs. Der Kunstverein publiziert zudem zahlreiche regelmäßig erscheinende Kataloge und Kunsteditionen. Aktuell führt Dr. Arno Apel als Vorsitzender die Vereinsgeschäfte des Kunstverein Recklinghausen.

Bedeutende Künstler mit Bezug zu Recklinghausen

    • Thomas Grochowiak, 2.12.1914 – 25.11.2012, deutscher Maler und Museumsdirektor, Gründungsmitglied der Künstlergruppe „junger westen“, gehörte von 1950 bis 1979 der Leitungsgruppe der Ruhrfestspiele an und ab 1954 Direktor des Städtischen Museums.
    • Heinrich Schirmbeck, 23.2.1915 – 4.7.2005, deutscher Schriftsteller sowie Friedens- und Umweltaktivist, langjährig als freier Journalist und freier Autor tätig, Hauptwerk ist „Ärgert dich dein rechtes Auge“ (1957), erhielt mehrere Literaturpreise, politisch aktiv in den 50er- und 60er-Jahren.
    • Willi Dirx, 24.9.1917 – 9.10.2002, deutscher Grafiker, Bildhauer und Holzschneider im expressionistischen Stil, verarbeitete meist religiöse Themen, gehörte zu den letzten großen Holzschneidern, einige seiner Werke stehen im Wuppertaler Von der Heydt-Museum.
    • Walter Giller, 23.8.1927 – 15.12.2011, bekannter deutscher Schauspieler, galt zusammen mit Ehefrau Nadja Tiller als Traumpaar des deutschen Films, meist komödiantische Filme wie z. B. „Charleys Tante“, „Die Drei von der Tankstelle“ oder Comedy-Reihen wie „Locker vom Hocker“.
    • Heinrich Breloer, geb. 17.2.1942, deutscher Autor und Filmregisseur, hat maßgeblich das Film-Genre Doku-Drama (Verknüpfung Doku mit Spielfilm) entwickelt, Hauptwerke dabei „Wehner – die unerzählte Geschichte“ (1993) oder „Buddenbrooks“ (2008), erhielt zahlreiche Auszeichnungen.
    • Hape Kerkeling, geb. 9.12.1964 als Hans-Peter Wilhelm Kerkeling, bekannter deutscher Komiker, Schauspieler, Moderator und Autor, bekannt geworden durch zahlreiche Comedy-Formate wie „Total normal“, schuf Kunstfiguren wie „Horst Schlämmer“, Autor des Pilger-Buches „Ich bin dann mal weg“.
    • Hans-Joachim Heßler, geb. 7.1.1968, deutscher Komponist, Musiker und Musikwissenschaftler, bekannt geworden durch zeitgenössische Kompositionen der musikalischen Postmoderne für Klavier, Orgel sowie für Kammer-, Orchester-, Theater- und Improvisierte Musik.